Simson Schwalbe KR51/1

Im Winter 2015 ergab der Zufall, dass mir eine Einser-Schwalbe für wenig Bares zum Eigentum wurde. Und eigentlich sah alles ziemlich top aus: Der Roller kam grob zusammengebaut, fast alle Teile waren neu. Alle anderen erhielt ich in Kisten. Später sollte ich feststellen, dass viele viele Kleinteile noch neu zu erwerben waren und der Motor eine sehr gründliche Generalüberholung (Getriebe, Kupplung, Dichtungen) benötigte.

Produktionszeit: 1968 - 1980
Stückzahl: rund 1.000.000
Motor: 1-Zylinder-2Takt; M53/1 KFR
Kühlung: Gebläse
Hubraum: 49,6ccm
Bohrung + Hub: 40 x 39,5mm
Verdichtung: 9,5:1
Leistung: 3,6 PS bei 5750 U/min
Vergaser: BVF Nadeldüsen 16 N1-5
Zündung: Unterbrecher, innenliegende Zündspule
(Umbau: 12V Elektronik, ext. Zündspule)
Bordspannung: 6V, Bleibatterie (12V, Gelbatterie)
Kupplung: 5-Scheiben, Ölbad (Nasskupplung)
Getriebe: 3 Gänge, Fußschaltung
Geschwindigkeit: 60km/h
Rahmen: Doppelrohrrahmen
Federung vorn/hinten: Langschw. mit Federbein, Hydraulisch
Reifen vorn/hinten: 2,75 x 20
Bremse vorn/hinten: Vollnaben, 125mm
Fahrzeugmasse: 80kg (leer); 151kg (maximal)
Tankinhalt: 6,8l (VK88, 1:33)
Neupreis: 1350 Mark (Ost)



Wesentliche Arbeitsschritte

Das Moped wurde zunächst komplett in alle Einzelteile zerlegt, alle Rahmenteile und die Karosserie wurden pulverbeschichtet: Rahmen und Teile schwarz matt, Karosserie weiß matt. Weil sich die Einzelteile inzwischen in mehrere Kartons verteilt hatten, musste im ersten Schritt eine Sichtung der Sachlage vorgenommen werden: Keder und Gummiteile fehlten, ebenso funktionstüchtige Bowdenzüge, Tacho, Lampeneinsatz und so weiter. Der Motor wurde noch vor dem Zusammenbau der Schwalbe in eine Simson-Werkstatt zur Überarbeitung gegeben und benötigte neben einer neuen Kurbelwelle auch einige Zahnräder, alle Kugellager, eine neue Kupplung und sämtliche Simmerringe, um wieder laufen zu können. (Der Vorbesitzer meinte, das sei "alles überarbeitet und fahrfertig perfekt"...)
Beim allerersten Probelauf nach dem Zusammenbau benötigte die Schwalbe nur einen einzigen Tritt und sie war an!
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Der Zusammenbau gestaltet sich simpel. Man beginnt am frischen Rahmen mit dem Anbau des Luftberuhigungskastens, dann das hintere Schutzblech, Tank. Es folgen die Schwinge mit den Stoßdämpfern und dem Antrieb. Achte auf das Antriebslager, das will gut gefettet sein. Und achte auf die hintere Abdichtung des Rahmens!
Stück für Stück arbeitet man sich weiter und zum Schluss bleibt keine Schraube übrig...
Unmittelbar vor der ersten Ausfahrt im "zusammengebauten Zustand" schraubte ich noch zügig das Versicherungskennzeichen an. Das war gut so: Nach nicht mal einen Kilometer Fahrt überholte und stoppte mich die Polizeistreife im Zivilfahrzeug. Natürlich hatte ich keinerlei Papiere mit und der Helm lag auch in der Garage, die Beamten hatten aber ob meiner Erläuterung Verständnis und konnten per Funk all meine Daten abfragen.
Dann ging es los: Nach einer Volllastfahrt verreckte der Motor gern mal oder hustete vor sich hin. Nach kurzer Wartezeit war alles wieder gut. Nun probierte ich meinen ganzen Erfahrungsschatz bei der Ursachenforschung. Konsequenz: Fachmannbefragung, Umbau auf 12V (VAPE, sehr zu empfehlen). Aber die eigentliche Ursache war: Haupt- und Leerlaufdüse im Vergaser verwechselt. Im Volllastbetrieb hat es den Vergaser leergesaugt.
Dann ging es weiter: Trotz sorgfältiger Bauweise und fachmännischer Abdichtung rotzte der Motor das Öl beinahe fassweise raus. Bei jedem Stopp musste ich ganz schnell den Lappen unter den Motor schmeißen. Beim Fahren hat es Öl über das Gebläse durch die Kühlrippen nach oben rausgespritzt. Hier war was faul!
Ursache: Der Vorbesitzer hatte bei seiner "Motorregenerierung" die Gehäusehälften offenbar mit dem Hammer zusammengedrückt und dabei eine Kerbe in die Dichtfläche zur äußeren Abdichtung der rechten Kurbelwellendichtung geschlagen. Moped-Kresse hat das in Ordnung gebracht und der Motor gibt nun keinen Tropfen des edlen GL60 mehr ab.
Jetzt schnurrt sie und fährt vor sich hin, läuft wie ein Uhrwerk. Ich bin begeistert, auch wenn die Gesamtinvestition in Euro sehr weit über dem Neupreis in Ost-Mark liegt.



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