Hausgemachte Fehler

OTZ Gera, 26.05.2016
Dem ersten Artikel in der TLZ folgte ein zweiter in der OTZ einige Wochen später. Inhaltlich fast identisch. Diesmal "beklagen die Schüler" die viel zu hohen Anforderungen und das Thillm versichert, "alles wohlüberlegt und gewissenhaft" erstellt zu haben und sich "flächendeckend keine Lehrer zu Wort gemeldet" hätten.
Dürfen sie ja auch nicht. Wer einmal den Mund aufgemacht hat weiß später sehr deutlich, dass er das bessre hätte nicht tun sollen.
Klar werden Statistiken und Meinungen erfasst. Seit Jahren! Aber nichts und absolut garnichts davon erreicht die Quellen und wird umgesetzt oder hinterfragt. Vielmehr wird eventuell - das ist ein Postulat - ein Profilbild vom rückmeldenden Lehrer erstellt.
An jeder Schule werden nach Prüfungen "Fachschaftssitzungen" abgehalten und über die Aufgabenkultur diskutiert. Dabei ist es aber wie überall. Das Gesprochene bleibt im Raum, soll sich doch jeder selber kümmern oder nicht und nach der Veranstaltung sind zwei Stunden Lebenszeit einfach nur sinnlos verbraucht, weil unterm Strich nichts rauskommt.
Das Thillm versteckt sich hinter der hoch geschätzten "Uni Jena" und "Mathelehrern".

  1. hat die Uni Jena keinen Bezug zur Schule, das Anforderungsniveau an der Uni ist enorm hoch, die finden alles gut, was knackiger Anspruch ist. Und den CAS-Taschenrechner lehnen sie ab. Lehrerstudenten, die von dieser Uni kommen, haben im Regelfall keinen CAS-Rechner und können damit auch kaum umgehen, wenn sie nicht von den Lehrern am Staatlichen Studienseminar entsprechende Fortbildungen erhalten haben.
    Uni und Schule ist vergleichbar damit, wie viel Ahnung ein Gymnasiallehrer vom Grundschulunterricht hat: Eigentlich keine.
  2. arbeitet man mit Mathelehrern der Spezialschulen zusammen
  3. ist die Einstufung einer Aufgabe in einen Schwierigkeitsgrad genau so sicher, wie ein Geschmacksurteil für eine Suppe. Es wird vom Koch festgelegt.
  4. bildet die OTZ einen normalen wissenschaftlichen Taschenrechner, wahrscheinlich den Casio fx991 ab. Für den Presseartikel äußerst unpassend, denn mit CAS-Rechnern hat das ja gar nichts zu tun.

Ich nehme Bezug auf den weiter unten angeführten Presseartikel in der Thüringer Landeszeitung vom 11.05.2016.

Unterrichtsflüchtlinge

...sind Lehrer/innen, die sich langsam aber zielgerichtet nach oben kleben und dann "in höheren" Positionen ihren ehemaligen Kollegen Ratschläge für besseren Unterricht geben, weil sie keinen Spaß mehr an ihrem Beruf haben und weg von der Basis wollen. Im Regelfall haben diese Kollegen schnell nach ihrem Fortgang von der Schule jeglichen Bezug zum tatsächlichen Unterrichtsalltag verloren und dürfen aber von Amts wegen ihre Meinungen äußern oder gar durchdrücken. Dem Werdegang gehen übrigens häufig längere Krankheitsphasen voraus. Typisch für diese Menschengruppe ist auch, dass sie selbst keine Kinder haben oder die eigenen Kinder schon sehr lange die Bildungseinrichtungen verlassen haben.
Eine andere Gruppe administriert die Lehrerschaft, obwohl sie selbst nie den Beruf tatsächlich erlernt hat oder Erfahrungen als Lehrer vorweisen kann. Diese "Kollegen" wissen nicht wie es ist, Klassenlehrer zu sein, Kompetenzeinschätzungen für 30 Schüler unter Zeitdruck zu formulieren, Klassenkoferenzen vorzubereiten, an anderen Klassenkonferenzen teilzunehmen, Elternarbeit nachzuweisen, Kompetenzgespräche zu führen, den Dummbatzen hinterherzurennen und für die dann noch Förderpläne zu schreiben, Zusatzaufgaben zu erstellen und zu kontrollieren, differenzierten Unterricht zu organisieren, benötigte Unterrichtsmittel selbst herzustellen, weil das Land zu deren Kauf nicht in der Lage ist und die DDR-Bestände inzwischen aufgebraucht oder verschlissen sind. Und ganz nebenbei noch monatlich seine drei (natürlich unentgeltlichen) Zusatzstunden in der Vertretung hält. Sie wissen nicht wie es ist, eine Klassenfahrt zu organisieren zu müssen, die erst in einem Jahr mit einer unbekannten Klassenzusammensetzung unter unbekannten Rahmenbedingungen stattfinden soll. Sie kennen auch nicht die Knüppel, die sie ihren Kollegen vor die Füße schmeißen. Unkollegialer geht es nicht: Üble Nachrede in den eigenen Reihen geht im Mai 2016 durch die Presse.

Natürlich gibt es Fortbildungsresistenz im Kreise der Lehrerschaft. Nicht zuletzt wurde diese Resistenz im Rahmen einer Fortbildungsinitiative für Thüringer Lehrer der Naturwissenschaften im Umgang mit der CAS-Rechentechnik deutlich spürbar. Es wurde aber auch die Notwendigkeit deutlich, diese Fortbildungsreihe am Leben zu erhalten und auf die Junglehrer/ Referendare auszuweiten, weil sich auch die Thüringer Universitäten dem Anspruch der Thüringer Lehrpläne in Sachen CAS widersetzen. Es kann doch nicht sein, dass Referendare Mathematik/ Gymnasium an die Schulen kommen und sich erst mal einen CAS-Rechner borgen müssen, weil sie "bisher keinen verwenden druften". Ich bin der Meinung, dass hier das Land in der Pflicht ist und nicht der engagierte Mathelehrer, der sich für den Fortbestand einer hohen Bildungsqualität einsetzt. Und ich bin der Meinung, dass eine Überprüfung der Aufgaben durch die im Artikel angegebene Fachkommission der Universität zwar wichtig, aber aus den genannten Fakten einfach nicht praxisrelevant ist.
Das Gremium muss sich die Frage stellen lassen, weshalb der Lehrereinsatz in Klasse 9 bis 12 nicht an Fortbildungsbedingungen geknüpft wurde. Die Fortbildnergruppe hatte dies einst unter anderen Möglichkeiten vorgeschlagen, umgesetzt wurde aber nichts. Inzwischen hat sich (fast) jeder Mathelehrer weitgehend in die neue Qualität des Unterrichts und die neuen Aufgabenkultur eingearbeitet. Leider sind den Schulen jedoch immernoch die Hände gebunden, was den Kauf neuer Lehrbücher angeht - und die werden dringend gebraucht. Aber es geht ja auch so, dass der Mathelehrer Arbeitsblätter erstellt und kopiert. Es geht schon irgendwie, wir kriegen das hin!
Aber es ist unverantwortlich, über die Presse in erster Linie die Mathelehrer dafür verantwortlich zu machen, wenn von der Allgemeinheit die Aufgaben als "zu schwer" empfunden wurde. Noch dazu, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Aussage gar keine Ergebnisse von den Schülern bekannt sein dürften! Den Schülern und Eltern wird damit Tür und Tor geöffnet, der Schuldige für die schlechte Mathenote wurde ja in der Zeitung konkret benannt.
Die vom Thillm veröffentlichte Meinung stellt eine schäbige Diskriminierung aller Mathelehrer dar, die sich täglich für perfekten Unterricht einsetzen, sich regelmäßig engagiert fortbilden und fachlich und pädagogisch tatsächlich auf hohem Niveau stehen.
Wissen, Können und Engagement sind global gesehen offensichtlich unerwünscht, denn kluge Leute leisten Widerstand.

Die einzelnen Textabschnitte können übrigens mit konkreten Namen und Vorfällen benannt werden.

Zeitungsartikel in der TLZ
http://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/Eltern-und-Schueler-in-Sorge-Schriftliches-Mathe-Abi-zu-anspruchsvoll-12581758


Urkundenvernichtung

Seit 1999 wurden in Thüringen für die Physikolympiade ganz bestimmte Layouts für Urkunden auf festem und hochwertigem Papier gedruckt und verwendet. Die Organisatoren in den einzelnen Amtsbereichen verfügen über einen umfangreichen Fundus an Blanko-Urkunden, die sie zu den jährlichen Veranstaltungen dann entsprechend beschriften und vergeben.
Der Schock kam zur 24. Runde: Das TMBWK hat ein neues Layout entwerfen lassen und neue Urkunden gedruckt. Die vielen hundert - wenn nicht sogar tausend - die in den Regalen der Organisatoren auf Verwendung warteten, dürfen per Anweisung nicht mehr verwendet werden und sind ohne Übergangszeit zu vernichten.
Gründe dafür nennt das Ministerium nicht.
Klasse Idee! Gut gemacht!
Version seit 1999 Version ab 2014  
 

 

Ich bin dabei!

...seit 1988 - und es macht mir auch heute fast noch mehr Spaß als damals. Ich stehe morgens gern auf und freue mich auf zufriedene Gesichter und auf die Möglichkeit, doch ein breites Spektrum an Wissen, Können, Fähigkeiten und Fertigkeiten vermitteln zu können. Nicht nur das Lehren vor Schülern, sondern auch die Fortbildung von Lehrern bereitet mir täglich Freude, weil ich sehe, dass da etwas raus kommt!
Aber, wie auf diesen Seiten zu lesen, gibt es doch inzwischen eine Unmenge Fehler im System, die man wissen und auch ansprechen darf, für die aber keine Lösung in Sicht scheint, weil die Machtspiele in den Ämtern und in der Thüringer Politik - denken wir mal zurück an die Übernacht-Umbenennung des Kultusministeriums in Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und einige Zeit später in Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport mit all den Konsequenzen der Formularvernichtung, Neugestaltung sämtlicher Formulare und so weiter - letztlich mehr von persönlichen Interessen einer höheren Bezahlung als von sinnhafter und stabiler (!) Bildungspolitik geprägt werden.
Nach gut 30 Jahren kann ich belegen: In dieser Branche zählen weniger das Wissen, Können, Fähig- oder Fertigkeiten, sondern ein gehöriger Packen Scheinheiligkeit und Ja-Sagerei.
Das ist nicht gut!